Dextransulfat ist ein chemisch modifiziertes, polyanionisches Derivat von Dextran, einem verzweigten bakteriellen Polysaccharid, das aufgrund seiner ladungsabhängigen Wechselwirkungen in biomedizinischen und Forschungsbereichen weit verbreitet eingesetzt wird.
Molekulare Struktur
Dextransulfat wird aus Dextran gewonnen, einem D-Glucose-Polymer, das zu etwa 95 % aus α-(1→6)-linearen Rückgratverknüpfungen und 5 % aus α-(1→3)-Verzweigungspunkten besteht. Die chemische Sulfatierung erfolgt durch Veresterung mit Chlorsulfonsäure, wodurch im Durchschnitt etwa 2,3 Sulfatgruppen pro Glucosylrest eingeführt werden, was einem Schwefelgehalt von etwa 16–20 % entspricht. Das Polymer behält die native verzweigte Architektur von Dextran bei, mit Molekulargewichten typischerweise zwischen 5 und 500 kDa je nach Fraktionierung, und zeigt eine moderate Polydispersität (Mw/Mn ≈ 1,5–2,0). Die Einführung von Sulfatestern verleiht eine hohe Dichte negativer Ladungen, die gleichmäßig entlang der Polymerketten verteilt sind.
Synthese und physikochemische Eigenschaften
Dextransulfat wird durch partielle Hydrolyse von aus Leuconostoc mesenteroides gewonnenem Dextran hergestellt, gefolgt von einer kontrollierten Sulfatierung unter milden Reaktionsbedingungen und anschließender Reinigung durch Ethanolfällung und Größenausschlussfraktionierung. Das resultierende Polymer bildet stabile, klare wässrige Lösungen im pH-Bereich von etwa 5 bis 7,5. Sein starkes Polyelektrolytverhalten führt in niedrig-ionischen Medien zu einer vollständigen Kettenstreckung aufgrund elektrostatischer Abstoßung zwischen den Sulfatgruppen, was ein höheres hydrodynamisches Volumen als natives Dextran ergibt, während hohe Salzkonzentrationen eine Kettenkontraktion bewirken. Das Polymer zeigt pH-abhängiges Quellverhalten aufgrund titrierbarer Sulfatgruppen, begrenzte Löslichkeit in Gegenwart zweiwertiger Kationen wie Calcium sowie Anfälligkeit für säurekatalysierte Hydrolyse. Dextransulfat zeichnet sich durch hohe Lösungsviskosität, ausgeprägte ladungsabhängige Wechselwirkungen und im Allgemeinen gute Biokompatibilität mit geringer intrinsischer Toxizität aus.

