Carrageen

Carrageen

Carrageenan ist eine Familie von sulfatierten linearen Galactanen, die aus Rotalgen (Rhodophyta) extrahiert werden, vor allem aus den Arten Chondrus crispus, Eucheuma und Kappaphycus. Es wird wegen seiner vielfältigen Gelier-, Verdickungs- und Stabilisierungseigenschaften geschätzt.

Molekulare Struktur

Carrageenane bestehen aus alternierenden β-(1→3)-D-Galactopyranose-Einheiten (G-Einheiten) und α-(1→4)-D-Galactopyranose oder 3,6-Anhydro-α-D-Galactopyranose (DA- oder D-Einheiten), die an unterschiedlichen Positionen sulfatiert sind und so verschiedene Strukturfamilien bilden. Die wichtigsten Typen sind κ-Carrageenan (eine Sulfatgruppe, G4S-DA), ι-Carrageenan (zwei Sulfatgruppen, G4S-DA2S) und λ-Carrageenan (drei Sulfatgruppen, ohne Anhydrobrücke).

Diese strukturellen Unterschiede bestimmen das funktionelle Verhalten: κ-Carrageenan bildet feste und spröde Kaliumionen-induzierte Gele, ι-Carrageenan erzeugt elastische und gefrier-tau-stabile Gele, und λ-Carrageenan liefert hohe Viskosität ohne Gelbildung. Die angegebenen Molekulargewichte liegen typischerweise zwischen 200 und 1000 kDa.

Gewinnung und Eigenschaften

Carrageenane werden üblicherweise durch alkalische Heißwasserbehandlung (80–100 °C, NaOH oder KOH) extrahiert, wodurch Vorläuferformen (μ- und ν-Carrageenane) durch Bildung von 3,6-Anhydrobrücken in κ- und ι-Typen umgewandelt werden. Anschließend erfolgen Filtration, selektive Fällung mit Kaliumchlorid (insbesondere für κ-Carrageenan) und Trocknung.

Wichtige physikochemische Eigenschaften sind hohe Wasserlöslichkeit (λ > ι > κ), kationspezifische Gelbildung (K⁺ für κ, Ca²⁺ für ι), scherentzähmendes rheologisches Verhalten und Stabilität über einen breiten pH-Bereich (4–10). Carrageenane zeigen thermische Reversibilität (stärker ausgeprägt bei ι als bei κ), synergistische Wechselwirkungen mit Johannisbrotkernmehl, biologische Abbaubarkeit und polyelektrolytische Eigenschaften, die Coil-to-Helix-Konformationsübergänge fördern.

Biomedizinische und pharmazeutische Anwendungen

Carrageenane weisen ein breites Spektrum an Bioaktivitäten auf, darunter antivirale Wirkungen gegen Herpes-simplex-Virus (HSV) und humanes Papillomavirus (HPV) durch polyanionische Interferenzmechanismen sowie antikoagulatorische und entzündungshemmende Eigenschaften. κ- und ι-Carrageenane werden intensiv für die Bildung von Hydrogelen in Arzneimittelfreisetzungssystemen, Wundverbänden mit verbesserter Feuchtigkeitsretention und Gerüsten für das Tissue Engineering untersucht.

λ-Carrageenan wird häufig als Suspendier- und Viskositätssteigerungsmittel in oralen und parenteralen pharmazeutischen Formulierungen eingesetzt. Seine etablierte Biokompatibilität unterstützt auch Anwendungen in Nahrungsergänzungsmitteln und funktionellen Lebensmitteln, insbesondere für darmgesundheitsbezogene Formulierungen.

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